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Platz für unfertige Gedanken

Das Glück kommt mit der Post

Das neue Jahr wird hoffentlich eines, in dem sich Überforderungen nicht so anhäufen, wie ein Stapel ungelesener Postsendungen, während man zwei Monate nicht zuhause ist. Glücklicherweise gibt es die Möglichkeit, dass ich bei mir so zuhause bin, dass sich die Post gar nicht erst ansammelt und die Anspannung, die noch ungelesene Nachrichten mitbringen, wieder verfällt, sobald ich ihre Botschaft entziffert habe.

Hinter meiner mal kleineren, mal grösseren Nervosität gibt es immer eine Nachricht, die sich verbirgt. Ich versuche, hinzuhören. Zumindest trainiere ich das seit kurzem. Die mentalen Muskeln müssen pumpen und freuen sich, wenn sie durch die regelmässige Übung besser mit den Ereignissen des Lebens klarkommen.

Dabei hatte ich mir für dieses Jahr „nur“ vorgenommen, glücklich zu sein. Das kann ja nicht so schwer sein, oder? Dachte ich. Es stellt sich heraus: Auch dieses Ziel ist eines, welches sehr viel abverlangt. Wie um alles in der Welt wird man glücklich?

Unser Postbote klingelt an der Tür. Ich versuche, rechtzeitig aufzumachen, aber er ist flink. Er klingelt nicht, um wirklich ins Haus zu kommen, sondern wirft unsere Pakete vor den Eingangsbereich.

Klingeln und abhauen. Gehen so nicht die Momente des Alltags mit uns um? Flüchtig ziehen sie an uns vorbei und wir erwischen sie nicht – wir hören nur die quietschenden Reifen ihrer gerade verflogenen Gegenwart.

Damit bleibt uns die Botschaft eines jeden Tages verwehrt – das, was uns das Heute zuflüstert, bleibt vor der Tür liegen und findet den Adressaten nicht. Das Glück könnte mein Herz erreichen, wenn ich nicht nur vom Fenster aus zuschaue, sondern das Empfangen der Momente des Alltags zentraler Bestandteil des Lebens wird.

Ich denke an einen Umbau. Möglicherweise ist der Transportweg nicht intakt, der den Sender mit dem Empfänger verbindet. Doch wie kann mein Gehirn gute Botschaften empfangen, wenn es jahrelang eine Autobahn an negativen und hektischen Denkanstössen konstruiert hat, die vorgeben, unter Denkmalschutz zu stehen? Die ersten Renovierungsmassnahmen sind getroffen, aber so schnell geht das nicht. Mir scheint, der Weg zum Glück braucht sehr viel Ausdauer.

Dreckig werden, abreissen, vernichten, loslassen, Vision suchen, Material wählen, neu bauen, verputzen, veredeln, dran bleiben. Manchmal müssen wir Treppenstufen hinaufsteigen, die jede für sich wichtig sind, um ganz bei uns anzukommen. Schritt für Schritt. Es ist wichtig, herauszufinden, auf welchem Untergrund unser Herz anfängt zu laufen.

Hauptbestandteil des Bodens, der mich zur nächsten Stufe trägt, ist: Frieden. Ich habe Frieden geschlossen mit dem, was gerade in mir ist. Ich weiss, dass ich Zeit habe, Entscheidungen zu treffen, die mir wichtig und richtig sind. Doch wenn ich das Hier und Jetzt nicht würdige, stehen alle Gedanken über die Zukunft im Schwebezustand.

Seit ich diesen Boden gespürt habe, jage ich dem Frieden nach und will ihn einfangen, in ein Reagenzglas, ihn beobachten und herausfinden, was er braucht, um zu wachsen und zu gedeihen.

Aber Glück lässt sich nicht konservieren. Glück benötigt unsere volle Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt. Oft empfange ich Nachrichten, die mein Körper zuerst überbringt. Mein Körper ist mir geschenkt, nicht als Hindernis, sondern als das Gefäss, das sich der Gegenwart nicht entziehen kann. Anwesenheit schliesst meinen Körper mit ein, also ist es mir eine Aufgabe, in meinem Körper präsent zu sein. Mein Körper möchte mir etwas sagen und ich höre ihm zu. Zuhören und darauf eingehen bedeutet ein liebevoller Umgang mit mir selbst.

Echte Begegnungen – mit mir selbst und anderen – das bedeutet Glück für mich. Doch bevor wir empfangen können, müssen wir aufmachen. Eine geschlossene Tür gibt Schutz, doch werden auch die guten Botschaften an ihr abprallen, wenn wir uns zu sehr abkapseln. Wir können nur empfangen, wenn wir uns auch zeigen. Das benötigt Mut. Und Zeit. Möglicherweise gibt es Menschen, die 2x klingeln und auf dich warten.

Für dieses Jahr möchte ich Glück erwarten. Oder wie mein Pastor sagt: „Mach die Dankbarkeit zu deinem Chorus!“ Deshalb ruf ich es laut in meine Wohnung hinein: Glück darf in Zukunft hier wohnen! Ich freue mich auf den Einzug und lege ihm eine Fussmatte vor die Tür: „Herzlich willkommen“.

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